Spielerei:

 

Computer haben schon immer eine Faszination ausgeübt. Versetzen wir uns in die Zeit als Computer noch raumfüllende Ungetüme mit blinkenden Lichtern waren. Die einzige Anwendung damals waren Rechenaufgaben, Verwaltungen und Datenbanken. Computeruser waren lustige blasse Menschen die nicht besonders sprachgewandt waren und sich am liebsten unter ihres gleichen bewegten. Man sprach damals auch noch von "Computer füttern". So kamen dann Ende der 60er Jahre zwei dieser lustigen Menschen darauf den gerade erfundenen Kathodenstrahl Monitor dazu zu verwenden ein Spiel zu programmieren. Die Resonanz bei Besuchern des Rechenzentrums war enorm, so war es jedem möglich eine Beziehung und einen Sinn in den riesigen Kisten zu sehen, die sonst nur unverständlich und mysteriös vor sich hin blinkten. Das erste Spiel war geboren, auch wenn an eine kommerzielle Ausbeutung nicht gedacht wurde. Die erste Brücke zwischen Mensch und Computer war geschlagen, man konnte mit dem Computer Spaß haben.

 

Die ersten Schritte waren der berühmte Pong Automat, der über Nacht zur Berühmtheit wurde. Daraus entwickelte sich dann der Versuch vorhandene Computer (Altair und ähnliche) zu programmieren, damit man daran auch spielen konnte. Als erstes Beispiel kommerzieller Spielerei gilt das Atari VCS. Es dient ausschließlich dem Spielen, die Module haben sich millionenfach verkauft und die Konsole bis 1990 auf dem Markt gehalten. Auch andere Computer wie der PET und der Apple haben ihre ersten Spiele. Eines der beliebtesten Spielvorlagen damals war Star Trek. Wahrscheinlich lag das zum einen an der großen Fangemeinde von Star Trek unter den Computer Freaks oder an den Werbebroschüren der Hersteller von denen Captain Kirk oder Spock herablächelten. Viele Firmen machten in diesem Zeitraum ihre ersten Schritte als Spieleprogrammierer wie z.B. Sierra. Die ersten Spiele erschienen als Modul zum einstecken, Computer ohne Modulport verwendeten Kassetten als Massenspeicher, wie der PET2001, Apple 1 und Tandy TRS-80. Die kostenintensiven Module wurden später aber gegen Kassetten und Disketten eingetauscht. Zum einen waren Sie günstiger und Sie boten mehr Speicherplatz.

 

Einige Spielmodule aus den Anfängen, oben VC20 Module, darunter v.l. an: Atari Modul für C 64, Super Nintendo US Modul, Gamegear, sowie darunter Mega Drive, Atari XL und Master System Modul.

Unten die Kassetten von Tau Ceti, Special Agent und One Man and his Droid, darüber ein C64 Modul mit OVP nebst Pac Mania und dem Spiel Starglider. Oben mittig ein ungeöffnetes Spiel für den C64 als Tape: Gribbly´s Day Out.

Die nächste Welle der Spielecomputer waren der Atari 400 / 800, der C 64 sowie Schneider CPC. Hier setzte sich das Medium Dískette endgültig durch. Einige Spiele waren auf Modul gar nicht umzusetzen. Der größte Anteil machten damals die ersten Automatenumsetzungen. Das bekannte Spiel vom Automaten wurde für den heimischen Computer umgesetzt. Für viele eine Goldgrube, gerade Atari war damit sehr erfolgreich. Auch Sega konnte später für ihre Konsolen die schönsten Spiele exklusiv umsetzen. Aber Exklusivität galt Anfang der 80er Jahre noch nicht. Alle Hersteller boten Ihre Spiele auch für andere Systeme an. Oder die Spielideen wurden gnadenlos kopiert und einfach unbenannt. Erste Schritte im Bereich Adventure gab es schon vor den berühmten 8 Bittern mit den textlastigen Infocom Adventures, aber erst mit den Disketten waren umfangreiche Spiele wie Maniac Mansion, Mystery House und Zak McKraken möglich.

Die Spiele waren auf Diskette teurer als auf Kassette, eigentlich ein Unsinn da die Diskette schon damals in der Fertigung günstiger war. Nur boten diese Spiele auf Diskette meist mehr Inhalt und waren mit den schnellen Ladezeiten natürlich bequemer. Die meisten Spiele auf Kassette waren in den Warenhaus Regalen zu finden als 10,- Mark Spiele. Bekannteste Vertreter dieser Reihe waren Codemasters, Kixx und Mastertronic oder Firebird. So gab es die beliebtesten Spiele dann einige Zeit später als günstige Version. Aber meistens war man darauf nicht angewiesen. Die Raubkopierszene blühte in diesen Zeiten auf wie nie wieder. Raubkopieren wurden auf Schulhöfen und Arbeitsplätzen getauscht, es gab kein Bewusstsein bzgl. des geistigen Eigentums. Erste Versuche der Hersteller mit Kopierschutz und Codeabfragen wurden geschickt umgangen. Auch wenn die Hersteller sich beschwerten, anscheinend haben die Umsatzzahlen immer gereicht um den nächsten Aufguss eines alten Spiels zu präsentieren.  

Mitte der 80er Jahre erschienen Atari ST und Amiga auf der Bildfläche. Dank der starken Leistung dieser Computer wurden erste Schritte im Bereich Multimedia unternommen. Multimedia definierte sich anfangs noch durch geschicktes Bild und Tonwiedergabe. Erst der MPC Standard wollte Anfang der 90er Jahre allen Glauben machen dazu gehört auch ein CD ROM. Eindeutig zu erkennen ist der Trend zu hochwertigen Verpackungen, die sich teilweise leider als heiße Luft herausstellten. Da die Preise hier schon in den Bereich bis zu 80,- DM gingen hat man sich dann schon geärgert. Eine Blütezeit für Computerspiele Hefte wie Powerplay und ASM, die jedes Spiel am Markt prüften.  Auch der C 64 war noch aktuell, so hielt er sich doch zeitlich länger als seine 16 Bit Kollegen ST und Amiga am Heimcomputermarkt. Die einfache Plattform und die weiter Verbreitung des Systems waren optimal für junge Software Firmen mit wenig Aufwand ein gutes Geschäft zu machen. Eine neue Form der Software Verbreitung kam auf den Markt. Die heute fast vergessenen Shareware und Public Domain Programme, die jeder kopieren und tauschen durfte. Manchmal musste man  einen Obulus an den Autor geben. Einige entsinnen sich vielleicht noch an die gewaltigen Spiegelschränke bei Karstadt in denen kistenweise die Public Domain Disketten gehortet wurden.   

Hier einige Amiga Spiele: Oben rechts Shadow of the Beast, daneben Wing Commander, darunter Pirates und Patrizier. Logical für C64, Pick´n Pile für C 64 und Xenon II - Megablast für den Amiga.

Hier eine Selection von Adventure Spiele: King´s Quest, Leisure Suit Larry, Monkey Island, Zak Mc Kraken und eine Sammelbox mit den 10 bekanntesten Lucasarts Spielen.

Natürlich musste auch der IBM kompatible PC spielbar gemacht werden. Drehen wir mal die Zeit zurück: Der PC hat von Haus aus keinen Ton, ein Piepser die Grafik ist wenn überhaupt mit max. 16 Farben bei EGA oder sogar nur 4 Farben bei CGA und der ganze Computer schreit an sich schon "Spiel woanders". Das musste geändert werden. So gab es dann die ersten Soundkarten von Adlib, der Nachzügler Creative Labs mit der ersten Mono Soundblaster Karte. Auch ein Spieleanschluss musste her, auf der Soundblaster Karte fand sich dann ein Gameport Anschluss für die ersten Joysticks (hatten ein bisserl was von einer Rührschüssel mit den langen Hebelwegen). Der erste Versuch mit Spielen bei mir am PC war auf dem PC 20 von Commodore das Spiel "Grand Prix Circuit". Man musste extra ein Programm vorladen damit die CGA Farben in Graustufen umgesetzt wurden, ich hatte nur einen Hercules Monitor. Als dann die erste Soundkarte in den Rechner einzog war die Grafikkarte nicht mehr ausreichend. Na was gemerkt? Man hat damals schon ewig aufgerüstet, das ist bis heute so geblieben (aber ich mach das nicht mehr mit :-))

Mit dem fortgeschrittenen Aufwand der Hersteller wurden die Kopierschutzmechanismen immer kurioser. Sei es die Diskette die sich nach dem Kopieren des Spiels selbst formatierte (gab es wirklich) oder die kleinen Plastikdongel, die in den Parallelport gesteckt wurden. 

Als dann das CD ROM auf den Markt kam wurde der MPC Standard definiert. Soundblaster Standard, mindestens Single Speed CD ROM sowie Joystick waren Pflicht um die aktuellen Spiele benutzen zu können. Ein Humbug den kein Kunde unterstütze, den Computer mit dem MPC Label kosteten mehr und hatten keinen Vorteil gegenüber Computern die einfach nachgerüstet wurden.

Das CD ROM läutete goldene Zeiten ein, Hersteller freuten sich über den Speicherplatz, das Medium war nicht zu kopieren. Es sollte alles günstiger, bunter und musikalischer werden. War nur ein Problem: Womit den Speicherplatz füllen? Wirklich originelle CD ROM Projekte wie 7th Guest und Journeyman Project krankten an überhöhten Preisen und dem dünnen Spielgehalt. Erst das Spiel Rebel Assault brachte dem CD ROM den Durchbruch.

Die Heimcomputer lagen in den letzten Zügen: Commodore veröffentlicht das CDTV, Atari hat mit dem Medium CD keinen Vertrag und dem entsprechend gibt es nur einen Prototyp eines CD Drives für den ST zu sehen. Commodore hat dann noch einen recht großen Erfolg mit dem CD32.

Hier ein paar  Klassiker der Adventure Szene: Willy Beamisch (von der Diskettenwechselschmiede Sierra, daneben der Space Quest Clone Rex Nebular sowie Space Quest V, darunter Day of the Tentacle und daneben Indiana Jones IV.

Hier Wing Commander 3 und daneben Oddworld : Abe´s Exodus, die abgedrehte Jump´n Run Serie von Lorne Lanning.

Nach dem auch die ersten Videospielkonsolen auf den CD Zug aufgesprungen sind, den Anfang macht Sega in Europa mit dem MegaCD, gab es am PC keinen Neuheiten mehr. Die Videos wurden immer ausgefeilter, die CD ROM Laufwerke immer schneller und die Inhalte blieben sehr dünn. Höhepunkt der CD Video Orgien war wohl Wing Commander 3. Echte Schauspieler agierten in stundenlangen Videos, zwischendurch konnte man in einem kleine Raumschiff Kilrathi jagen.

Das änderte sich dann mit der Entwicklung der 3 D Grafik, der vorhandenen Speicherplatz wurde für umfangreiche 3 D Spiele genutzt, auch die massiven Videos werden in 3D dargestellt. Mittlerweile gibt es die DVD, hier hat die Industrie darauf verzichtet einen großen Hype zu starten. Leider sind neben Inhalten auch die Ideen auf der Strecke geblieben, die Spielelandschaft heute ist sehr langweilig. Einzig der Trend zum Adventure und Geschichten erzählen kehrt zurück.